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96-jähriger Tatverdächtiger auf der Flucht vor NS-Prozess gefasst

Die 96-jährige Irmgard F., die als Sekretärin im Konzentrationslager Stutthof im von den Nazis besetzten Polen diente, wurde heute Nachmittag nach seiner Flucht am heutigen Morgen festgenommen.

Der Sprecher des Itzehoe County Court, wo der Fall verhandelt wird, teilte mit, dass F. von der Polizei gefasst wurde und vor Gericht gestellt wird. Das Landgericht Schleswig-Holstein erließ einen Haftbefehl gegen F., der heute Morgen nicht zur Verhandlung erschienen war.

Irmgard F. steht wegen Beihilfe zum Tod von 11.000 Menschen vor Gericht. F., der 18-19 Jahre alt war, als er im Lager arbeitete, lebte in einem Altenheim in Hamburg.

Der Gerichtssprecher stellte fest, dass festgestellt worden sei, dass der Angeklagte zum U-Bahnhof Norderstedt bei Hamburg fahren wollte, indem er morgens ein Taxi zu dem Altenheim rief, in dem er wohnte.

F., 96, wird vorgeworfen, von Juni 1943 bis April 1945 als Sekretär des Lagerkommandanten an der systematischen Tötung von Häftlingen im KZ Stutthof mitgewirkt zu haben.

65.000 Menschen wurden getötet

In dem Lager nahe der polnischen Stadt Danzig wurden etwa 65.000 Menschen massakriert, darunter jüdische Häftlinge, aber auch polnische Partisanen und sowjetische Kriegsgefangene.

Christoph Rückel, der Anwalt der Holocaust-Überlebenden, der an dem Verfahren beteiligt ist, wies darauf hin, dass F. die gesamte Korrespondenz des Lagerkommandanten erledigt habe und sagte: „Er hat alle Verbannungs- und Hinrichtungsbefehle auf Papier niedergeschrieben, und alle Papiere wurden von ihm geschickt.“

Entscheidung im Juni erwartet

Das zuständige Gericht entschied im Februar, dass der Gesundheitszustand von F. vor Gericht gestellt werden könne. Es wird jedoch angegeben, dass die Anhörungen aufgrund des Alters des Angeklagten kurz gehalten werden und daher die Bekanntgabe der Entscheidung in dem Fall, in dem 26 Anhörungen geplant sind, im Juni 2022 erfolgen wird.

Schließlich erschien Bruno D., ein Mitglied der Schutztruppe (SS), einer NS-Miliz, im Alter von 93 Jahren vor dem Richter und wurde im Juli zu zwei Jahren Haft verurteilt, seine Strafe wurde jedoch ausgesetzt.

Vor einer Woche hatte der Prozess gegen einen 100-jährigen Wärter im Lager Neurippin bei Berlin begonnen.

AFP/BK,ET,JD

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