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Der neue Ministerpräsident wird eine neue Türkei-Politik verfolgen

Seit 2005 hat jede Bundestagswahl eine einzige Gewinnerin: Angela Merkel. Seinen „Ruhestand“ hat er längst angekündigt. Lange hat es gedauert, bis sich CDU/CSU auf einen Kandidaten geeinigt haben. Und schließlich wurde „Türkenfreund“ Armin Laschet zum Ministerpräsidentenkandidaten der Christen Unionsparteien. Beim Blick auf die Ergebnisse am Sonntagabend zeigte sich jedoch, dass dies wohl nicht die wirkliche Wahl war. Was ist mit der SPD? Seit mehr als einem Jahr stand fest, dass der für die SPD etwas undurchsichtige Olaf Scholz Ministerpräsidentenkandidat der Sozialdemokraten werden würde. Aber selbst wenn die SPD die Wahlen gewinnen sollte, ist jetzt nicht klar, ob Scholz Ministerpräsident wird. Ob die Grünen und die FDP die Christdemokraten oder die Sozialdemokraten bevorzugen, werden wir in den nächsten Wochen sehen.

Erkan Arıkan, DW-Experte für türkische Publikationen

Was bedeuten die Wahlen für die Türkei?

Armin Laschet hat im Wahlkampf immer wieder gesagt, er wolle die „erfolgreiche Politik“ von Angela Merkel fortsetzen. Das soll bedeuten, dass die Türkei ein dauerhafter Partner für Laschet und Deutschland ist. Ja, Meinungsverschiedenheiten wird es so oder so geben, aber es ist völlig legal, dies inmitten von Freunden zu tun.“ Solche Ausdrücke mögen für viele in der Türkei beruhigend klingen, aber am Ende wird jeder für das, was er tut, geschätzt, und es bleibt abzuwarten, ob Laschet danach handeln wird Worte, wenn er Premierminister wird.

Andererseits bin ich mir sicher, dass der Umgang von Olaf Scholz mit der Türkei und Präsident Erdogan anders sein wird. Ich hatte die Gelegenheit, nach einem Treffen letzte Woche mit ihm zu sprechen. Ich habe ihn gefragt, wie die Beziehungen zur Türkei im Ministerpräsidenten aussehen würden. Seine Antwort: „Für Deutschland und für mich ist klar, dass demokratische Grundrechte oberste Priorität haben. Wir erwarten von einem sicheren Partner wie der Türkei die Achtung der Menschenrechte, der Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit.“

Erdogan lässt kein Diktat zu

Deshalb denke ich, dass zukünftige Verbindungen mitten in Berlin und Ankara auf die Probe gestellt werden. Gerade die Grünen werden hier ein großes Mitspracherecht haben. Denn bei der Bundestagswahl vor vier Jahren wäre Cem Özdemir beinahe der erste türkischstämmige Außenminister geworden. Und auf Drohungen oder Erpressungsversuche aus der Türkei wird die künftige Bundesregierung wohl anders reagieren. Für die Türkei ist Deutschland der wertvollste Exportpartner. Starke Investitionen deutscher Unternehmen sind für die erschöpfte türkische Wirtschaft unerlässlich. Ankara hat alle verfügbaren Mittel ausgeschöpft, um den wirtschaftlichen Abschwung zu stoppen. Aber auch das wird ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Ob der nächste Ministerpräsident Scholz oder Laschet heißt, es wird drastische Veränderungen in den Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei geben. Denn Freunde sprechen bitter, aber die Wahrheit spricht. Ich glaube, dass die diplomatischen Gräben zwischen Ankara und Berlin bereits offenkundig sind. Das liegt nicht nur an den Grünen, dem künftigen Regierungspartner, sondern auch an der liberalen FDP.

Erkan Arikan

©Deutsche Welle Englisch

DW

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