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Impfrücknahmen bedrohen Ärzte

„Aggression und Extremismus haben deutlich zugenommen“, sagt Erik Bodendieck, Vorsitzender der Landesärztekammer Sachsen und Hausarzt, „einige Ärzte haben sogar Morddrohungen erhalten.“

Diese Situation in Sachsen ist kein Einzelfall in Deutschland. Einige von der DW befragte Ärztekammern berichten von einem allgemein angespannten Klima, viele Drohbriefe und Hassmails erreichten viele Krankenhäuser in Deutschland.

Diese Veranstaltungen finden zu einer Zeit statt, in der im Land Rekordzahlen neuer Coronavirus-Fälle verzeichnet wurden. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) hat die Gesamtzahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland am vergangenen Wochenende die Marke von fünf Millionen überschritten.

Besonders alarmierend ist die Lage in Sachsen, wo die Sieben-Tage-Inzidenz bei über 500 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner liegt und die Impfquote mit 57 Prozent am niedrigsten ist. Die durchschnittliche Durchimpfungsrate liegt bundesweit bei rund 70 %.

„Sie sollten vor dem Erschießungskommando aufgereiht werden“

Erik Bodendieck sagt, er sei Drohungen gewohnt. Der Vorsitzende der Sächsischen Ärztekammer sagte: „Es gibt E-Mails, in denen ich beleidigt und mit Strafverfolgung bedroht wurde, aber auch Briefe mit ernsteren Drohungen. Zum Beispiel Worte wie ‚Ihr solltet alle antreten‘ vor dem Erschießungskommando“

Als Grund für all diese Drohungen und Zuströme nennt Bodendieck die Forderung, dass der Impfstoff für alle lebensnotwendig werden soll, und äußert seine Besorgnis: „Trotz der breiten Unterstützung, die mir in den sozialen Medien zuteil wird, bin ich mir sicher, dass Impfrückgänge wieder angreifen werden . Aus diesem Grund haben einige Ärzte in Sachsen begonnen, Covid-Impfstoffe einzusetzen, man kann sich sogar dagegen wehren.“

Auch Thüringens Landesärztekammersprecherin Ulrike Schramm-Häder und 25 angeschlossene Ärzte erhielten Drohbriefe. „Zunächst wird in den Briefen argumentiert, dass Impfstoffe gefährlich seien und Ärzten ‚Experimente am Menschen‘ vorgeworfen werden“, sagt Schramm-Häder.

Schramm-Häder betont, dass man davon ausgeht, dass die Verfasser dieser Briefe unter dem Einfluss von Verschwörungstheorien standen, und setzt seine Worte wie folgt fort: „Es gibt dubiose Mächte, die die Bundesregierung in den Griff bekommen haben. Es gibt jedoch Menschen die alle Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus ablehnen. Außerdem werden die Namen und Adressen der impfenden Ärzte genannt. Sie ermitteln.“

Die Atmosphäre in den Krankenhäusern ist angespannt

Das Problem beschränkt sich nicht auf anonyme Drohbriefe. Auch die Stimmung in vielen Krankenhäusern ist angespannt. Ulrike Schramm-Häder, Sprecherin der Thüringer Ärztekammer, sagt: „Manchmal reagieren Patienten schon auf die häufigsten Fragen zum Impfstatus sehr aggressiv.

Nur wenige der von der DW kontaktierten Ärztekammern hatten konkrete Daten zur Zahl der Drohungen erhoben. Es wurde jedoch festgestellt, dass Patienten in Bundesländern wie Berlin und Niedersachsen härter gegenüber medizinischem Personal sind. Der Sprecher der Landesärztekammer Berlin, der feststellt, dass die Pandemie-Müdigkeit sowohl bei den Patienten als auch bei den Mitarbeitern ihren Höhepunkt erreicht, sagt: „Die Nerven sind auf beiden Seiten ziemlich angespannt.“

Die Ärztekammer macht darauf aufmerksam, dass eine Praxis in Berlin wegen schwerer Drohungen und verbaler Attacken gegen den Impfhelfer auf unbestimmte Zeit geschlossen und privates Sicherheitspersonal eingesetzt werden musste. Zum Schutz des Mitarbeiters werden Name und Anschrift der betreffenden Klinik unbekannt gehalten.

Ärzte gelten als Politiker

Bedrohungen für medizinisches Personal sind vielerorts fast alltäglich geworden. Besonders Ärzte, die Impfungen in den sozialen Medien empfehlen, kommen schnell auf die Agenda. Thomas Spieker, Sprecher der Niedersächsischen Ärztekammer, sagte: „Das Gesundheitspersonal im Außendienst zahlt den Preis für die zunehmend hitzige öffentliche Debatte um Covid-Maßnahmen und Impfstoffe.“

Spieker sagte: „Wer vor Wut das Telefon umarmt, verwechselt manchmal den Arzt mit einem Politiker. Seit Beginn der Pandemie sind Ärzte und Gesundheitspersonal tagtäglich ins Kreuzfeuer geraten und haben dabei ihre eigene Gesundheit aufs Spiel gesetzt.“ gleichzeitig ist auch die Behandlung anderer Krankheiten unerschwinglich geworden.“

Wolfgang Kreischer, Vorsitzender der Hausärztekammer Berlin und Brandenburg, setzt seine Mission trotz anonymer Drohbriefe fort: „Viele Patienten sind sehr dankbar, dass wir ihnen die Möglichkeit gegeben haben, sich impfen zu lassen. Andere lassen sich impfen, weil sie sich aus verschiedenen Gründen dazu gezwungen fühlen Einzelpersonen wollen nicht einmal Informationen über Impfungen. Er bekommt nur die Spritze und geht.“

Ben Ritter

© Deutsche Welle Englisch

DW

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